Der Heldbock

Cerambyx cerdo Linnaeus, 1758

Art 1088 nach FFH-Richtlinie

 

 

Cerambyx cerdo, Reitter, 1912

 

 

 

Merkmale

Der Heldbock ist einer der drei größten Käfer Mitteleuropas und erreicht eine Länge von 24 bis 53 mm. Sein signifikantestes Merkmal sind die Kopfantennen, die beim Weibchen bis zu 50 mm, beim Männchen bis zu 100 mm Länge erreichen können. Der Käfer besitzt eine braunschwarze Färbung, die Flügeldecken werden zum hinteren Ende hin rotbraun. Der Hinterleib ist fein behaart und an den Flügeldeckenenden befindet sich ein nach innen gerichteter Dornfortsatz. Diese Dornfortsätze finden sich auch seitlich am Halsschild, das an der Oberseite stark gerunzelt ist. Der Heldbock ist überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv. Obwohl er flugfähig ist, bleibt er meist seinem Brutbaum bis zu dessen Absterben treu.

 

Eine Verwechslung findet oft mit seinen ähnlich aussehenden Verwandten statt, wie z.B. dem Cerambyx velutinus, dem Cerambyx miles oder dem Cerambyx scopolii, dem Kleinen Heldbock. Dieser wird lediglich 17 bis 28 mm groß, ist einfarbig schwarz, hat abgerundete Flügelenden und im Gegensatz zum Großen Heldbock seinen Lebensraum auf Gehölzen und blühenden Sträuchern gefunden.

 

 

 

Cerambyx scopolii, Reitter, 1912

 

 

 

Lebenszyklus

Die Entwicklung des Heldbocks nimmt einen Zeitraum von 3 bis 5 Jahren in Anspruch. Er legt seine Eier in schmalen Rindenspalten ab. Die Larve lebt nun zunächst unter der Rinde und arbeitet sich dann im Laufe ihrer Entwicklung ins Kernholz vor. Sie hält sich bis nach der Verpuppung im Holz auf und kommt erst als fertiger Käfer ans Tageslicht.  

 

 

Zeichnungen von Larve und Puppe des Heldbocks nach Reitter, 1912

 

 

Bohrgang einer Bockkäferlarve, Reitter, 1912

 

 

Die Puppenwiege verlässt der Heldbock zwischen Mai und Juli, danach lebt er noch 2 bis 4 Monate, die er für die Fortpflanzung nutzt. Findet er die Bedingungen für die Eiablage nicht vor, findet auch keine Fortpflanzung statt, die ortsgebundene Population stirbt im schlimmsten Fall aus.

 

 

Lebensraum

Die Eiche, vor allem die Stil- und Traubeneiche, ist der Lebensraum des Heldbocks. Um diesen Baum als Brutbaum zu akzeptieren, müssen für den Käfer jedoch einige Voraussetzungen gegeben sein.

Er siedelt sich an alten, physiologisch meist schon geschwächten Eichenstämmen an, die über einen Stammumfang von 2 bis 7 m verfügen. Da die Larven wärmeliebend sind, ist eine Durchwärmung des Stammes durch Sonneneinstrahlung für ihn enorm wichtig. Diese Durchwärmung kann nur stattfinden, wenn es sich um Solitärbäume (einzeln stehend) handelt, wie zum Beispiel in Hudewäldern (Wald mit Weidewirtschaft), in Hartholz-Flussauenwäldern (lockere Bestandsgliederung durch Hochwasser), oder in locker gegliederten Mischwäldern mit hohem Eichenanteil (keine geschlossene Kronendecke). Gerne siedelt sich der Käfer auch in Eichenrelikten an.

Erkennbar sind vom Heldbock besiedelte Eichenstämme an den etwa daumengroßen Bohrgängen im Stammbereich und ausrieselndem Holzmehl am Stammfuß.

 

 

Bohrgang der Heldbocklarve

 

 

 

Bohrgang mit Holzmehl

 

 

 

von Heldbochlarven besiedelter Eichenstamm

 

 

 

Holzmehl am Stammfuß eines besiedelten Baumes

 

 

 

Entlang des Rheins findet man den Heldbock an FFH-geschützten Orten. Schwerpunkt ist das Stadtgebiet Karlsruhe, aber auch im Bereich Ludwigshafen-Speyer-Worms sowie im Bereich zwischen Rastatt und Mannheim ist der Käfer heimisch.

 

 

Gefährdung – Status und Ursachen

Der Heldbock ist laut FFH-Richtlinie Anhang IV eine in Deutschland vom Aussterben bedrohte Tierart. Auch die europäische Liste sieht den Käfer als vom Aussterben bedroht und hat für Europa eine Vorwarnung ausgegeben. Der Erhaltungszustand der Art gemäß dem Nationalen Bericht liegt bei ungünstig bis schlecht.

Die Ursachen der Gefährdung liegen ausschließlich am stetig geringer werdenden Lebensraum für die Käfer.

Die bisherigen Brutstämme stehen immer öfter isoliert, was zur Folge hat, dass der Heldbock nach dem Absterben des Stammes keinen weiteren Brutplatz findet. Die ansässige Population des flugunfreudigen Käfers stirbt folglich aus. Grund der Isolation ist eine zunehmende Beseitigung von Solitärbäumen, Fällungen wegen Verkehrssicherheitspflicht, oder auch die Wahl fremdländischer Baumarten in Parks und Alleen. Oft findet auch eine aktive Beseitigung der Brutbäume statt, da der Heldbock als Schädling betrachtet wird.

Eine weitere Ursache des Wegfalls des Lebensraums sind Veränderungen der Landschaft. Flussbegradigungen führen zu einem Verlust der Hartholz-Auenwälder. Die zunehmende Bewirtschaftung oder Eindämmung der Auen führt zu fehlendem Eichennachwuchs. Zu starker Unterwuchs verhindert ebenfalls die Ansiedlung des Käfers, da der Stamm von der Sonne nicht mehr ausreichend durchwärmt werden kann. Nadelholz-Monokulturen bewirken eine Grundwasserabsenkung, welche der Eiche den Lebensraum nimmt. Oft werden auch aus Unrentabilität Alteichenbestände, und somit genau die möglichen Brutbäume, beseitigt.

 

 

Maßnahmen zum Schutz

Um dem Aussterben des Heldbocks entgegen zu wirken werden verschiedene und umfangreiche Maßnahmen getroffen.

Die Umtriebszeit der Eiche (Wachstumsdauer bis zur Fällung) wurde auf 200 Jahre hochgesetzt, was dem Käfer die notwendige Fortpflanzungs- und Wachstumszeit gewährleisten soll.

Lichte Eichenwälder mit Altbäumen werden erhalten oder entwickelt. Parkanlagen und Alleen mit Eichen werden angelegt bzw. erhalten und nicht durch fremdländische Baumarten ersetzt. Die Pflanzung und Erhaltung von Solitäreichen wird gefördert. Städte, Kommunen und Forst versuchen bereits besiedelte Bäume zu pflegen und zu erhalten. Vorreiter dieser Maßnahmen ist die Stadt Karlsruhe.  

Ist der Brutbaum nicht mehr verkehrssicher, wird der Stamm entweder zum Ökostamm, oder bei notwendigen Fällungen wird das bewohnte Stammstück in der Nähe potenziell besiedelbarer Eichen gelagert, um die Entwicklung der Larven und somit das Überleben der Population zu sichern.

Diese Maßnahmen sind mittlerweile schon teilweise erfolgreich, der Heldbock sollte sich somit in Deutschland wieder verbreiten können.          

 

 

Literaturnachweis

BUSE, J., SCHRÖDER, B. & ASSMANN, T. (2007): Modelling habitat and spatial distribution of an endangered longhorn beetle – a case study for saproxylic insect conservation. – Biological Conservation 137: 372-381.

 

BUSE, J., RANIUS, T. & ASSMANN, T. (2008): An endangered longhorn beetle associated with old oaks and its possible role as an ecosystem engineer. – Conservation Biology 22: 329-337.

 

KLAUSNITZER, B., BENSE, U. & NEUMANN, V. (2003): Cerambyx cerdo LINNAEUS, 1758. – In: PETERSEN, B., ELLWANGER, G., BIEWALD, G., HAUKE, U., LUDWIG, G., PRETSCHER, P., SCHRÖDER, E. & SSYMANK, A. (Hrsg.): Das europäische Schutzgebietssystem Natura 2000. Ökologie und Verbreitung von Arten der FFH-Richtlinie in Deutschland. Band 1: Pflanzen und Wirbellose. – Bonn-Bad Godesberg (Landwirtschaftsverlag GmbH, Münster-Hiltrup). – Schriftenreihe für Landschaftspflege und Naturschutz 69(1): 362-370.

 

NEUMANN, V. (1985) Der Heldbock (Cerambyx cerdo). – Neue Brehm Bücherei. – Wittenberg (Ziemsen Verlag): 103 S.

 

REITTER, EDMUND (2012): Fauna Germanica. Die Käfer des Deutschen Reiches. Farbendrucktafeln. Band IV, Tafel 135. Stuttgart (Dr. Lutz Verlag).  

 

ZUPPKE, H. (1993): Untersuchungen zum Vorkommen und zur Lebensweise des Großen Eichenbocks (Cerambyx cerdo L.) in der Elbaue zwischen Wittenberg und Dessau. – Naturschutz im Land Sachsen-Anhalt 30 (Supplement 2): 31-36.

 

 

Internetquellen

 

Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg (LUBW), Allgemeine Informationen über den Heldbock sowie über die Situation in Baden-Württemberg
http://www.lubw.baden-wuerttemberg.de/servlet/is/47735/

zuletzt eingesehen am 25.08.2013.

 

Landschaftsinformationssystem der Naturschutzverwaltung Rheinland Pfalz, Steckbrief zur Art 1088 der FFH-Richtlinie Heldbock (Cerambyx cerdo)

http://www.natura2000.rlp.de/steckbriefe/index.php?a=s&b=a&c=ffh&pk=1088

zuletzt eingesehen am 25.08.2013.

 

Bundesamt für Naturschutz (BfN), Heldbock (Cerambyx cerdo)

http://www.ffh-anhang4.bfn.de/ffh_anhang4-heldbock.html?&no_cache=1

zuletzt eingesehen am 25.08.2013.